| Nach langen Überlegungen für den richtigen
Saisonabschlusswettkampf fiel die Wahl auf den SCC-Halbmarathon "Die
Generalprobe" (SportScheck Berliner Stadtlauf) im Grunewald. Es war
einfach zu verlockend, mal im gewohnten Radtrainingsgebiet einen Wettkampf
zu bestreiten. Von der Strecke war ich abgesehen von einem kleinen Trampelpfad
jeden einzelnen Meter schon mal mit Rennrad, MTB oder laufend entlang
gekommen - Heimspiel also!
Dass die Konkurrenz aufgrund des zeitgleich stattfinden Mercedes-Benz-HM
nicht gigantisch sein würde, hatte ich mir schon gedacht, aber als
ich schon bei KM 1 Schulter an Schulter mit dem Führenden laufen
würde, hatte ich bei 1.400 Teilnehmern nicht erwartet. Er hatte die
gleiche Zielzeit wie ich (1:17h, ca. 3:40min/km) und da er mit seinen
10 Jahren Reifevorsprung auch so wirkte, als ob er die auf gleichmäßigem
Wege erreichen könnte, orientierte ich mich zunächst an ihm.
Bei KM 3 übernahm ich die Führung und bei KM 6, wo es den Kronprinzessinnenweg
bergauf ging, löste ich mich plötzlich leicht.
Da mein Training das ganze Jahr über auf kürzere Strecken ausgelegt
gewesen war, hatte ich Mordsrespekt vor der Gesamtlänge, wollte aber
auch nicht kleinbeigeben. Bei der Wende am Fuße der Havelchaussee
zählte ich 12s Vorsprung auf den Zweiten und 18s auf das nächste
Trio. Keine Welt also! Nun kam mir das ganze Starterfeld entgegen und
feuerte mich an, aber das brauchte ich auch, denn in nur 3km hatte der
Zweite seinen Rückstand zugelaufen und klebte plötzlich an meinen
Fersen. Ich erwartete, dass er mir davonlaufen würde und konzentrierte
mich auf ein konstantes Tempo (5km 17:57, 10km 36:14, 15km 54:24). Doch
er richtete sich hinter mir häuslich ein und machte keine Anstalten,
anzugreifen oder wenigstens Führungsarbeit zu übernehmen.
Ein bisschen machte mich das nervös, aber je länger er hinter
mir lief, desto mehr wuchs mein Selbstbewusstsein, ihn vielleicht doch
schlagen zu können. Bei KM 17 forcierte ich bergab und rannte dann
gleich mit viel Risiko in den Gegenanstieg. Bis zur Kuppe hielt er mit,
doch bei KM 18 entfernte sich das Geräusch seiner Schritte und seines
Atmens.
Schüchtern schaute ich hin und wieder zurück, versuchte weiter
zu beschleunigen (20km in 1:12:27h) und gab auf dem letzten KM nochmal
Gas. Als ich den Eingang zum Mommsenstadion erreichte, durfte ich mir
sicher sein. In 1:16:25h erreichte ich das Ziel als Erster der fast 2.000
Teilnehmer, einfach der Wahnsinn!!! Die nächsten vier lagen alle
innerhalb einer Minute, aber es hatte echt gereicht!
Es war etwas ungewohnt, im Ziel ein Interview geben zu müssen, aber
daran soll es ja nicht scheitern!
Jetzt geht's in die Saisonpause, besser hätte der Abschluss nicht
sein können:-)))!
Ergebnisse
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